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Geodatenpreisbildung 

engl.: Geodata pricing

Bedeutung:
Die Preisbildung auf dem Geodatenmarkt ist ein durchaus schwieriges Problem und wird gegenwärtig heftigst diskutiert, da hohe Preise als wesentlicher Hemmfaktor zur Stimulierung des Geoinformationsmarkt angesehen werden. Unabhängig davon, ob die Geodaten durch öffentliche oder privatwirtschaftliche Institutionen erstellt werden, hat die Preisbildung immer auf Basis der effektiven Kosten und einer aktuellen Markteinschätzung zu geschehen. Folgende Faktor zählen dazu
- unternehmensspezifische Kosten (Produktion, Marketing, Vertrieb)
- unternehmensspezifische Ziele (Strategie, Umsatz, Gewinn, Marktposition, Image)
- Marktsituation (Geographie, Wirtschaftslage, Zielgruppen, Potential, Chancen/Risiken)
- Nachfragesituation (Sättigungsgrad, Preissensibilisation, Nice to have oder It's a must)
- Produktsituation (neues Produkt, Ähnlichkeitsprodukt, Lebenszyklus des Produkts)
- Konkurrenzsituation (Marktanteile, Produktpositionierungen, Preisstrategien)
- Gesetzliche Vorschriften
Die Preisbildung hat zum Ziel, für jedes Geoprodukt eine Preisliste und die damit verbundenen Konditionen (Produkt- und Nutzungsspezifikationen, Zahlungs- und Lieferbedingungen) festzulegen.

Einflußfaktoren sind u.a., ob für die Preisbildung vollständige bzw. unvollständige Konkurrenz vorliegt:
- Vollständige Konkurrenz geht von einer grossen Anzahl von Anbietern und Nachfragern aus. Der Preis ergibt sich im Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage und wird als gegeben akzeptiert. Dies ist eher im privatwirtschaftlichen Geodatensegment zu finden.
- Unvollständige Konkurrenz gibt es bei einem natürlichen Monopol, welches z.B. für die Liegenschaftsdaten des amtlichen Vermessungswesens gilt (Öffentliches Gut). Die Preisbildung für Geodaten orientiert sich demnach an den Grundsätzen einer effizienten Regulierung des natürlichen Monopols, da der optimale Preis nicht marktmässig bestimmt wird.

Für die Preisbildung bei amtlichen Geodaten (bzw. Geobasisdaten) sind vier Varianten denkbar:
- Public domain: Die Daten werden gratis abgegeben. Sämtliche Kosten wie Erhebungs-, Unterhalts- und Diffusionskosten werden vom Staat getragen und über allgemeine Steuermittel finanziert. Vorteile sind die größere Verbreitung der Geodaten, der gesamtwirtschaftliche Nutzen wird kurzfristig maximiert. Nachteile sind, dass die langfristige Erhaltung der Geodaten nur dann sichergestellt ist, wenn die Kosten über allgemeine Steuermittel finanziert werden. Ziel der Public Domain-Strategie ist eine möglichst große Verbreitung der Daten und damit eine möglichst hohe Abschöpfung der Konsumentenrente, d.h. ein möglichst hoher Nutzen für die KonsumentInnen. Eignet sich damit für Daten, deren Verwendung im überwiegenden öffentlichen Interesse liegt, deren Erhebung oder Verwendung externe Nutzen auftreten.Voraussetzung ist die Finanzierung der Erhebungskosten, dass die Aktualisierungskosten gesichert sind und keine Verteilungsprobleme auftreten.
- Low cost: Für die Abgabe der Daten werden den Kunden nur diejenigen Kosten belastet, die unmittelbar mit der Abgabe zusammenhängen (Diffusionskosten). bei den Diffusionskosten handelt es um die kurzfristigen Grenzkosten, das sind diejenigen Kosten, welche anfallen, um einen zusätzlichen Datensatz anbieten zu können, ohne dass deswegen Aktualisierungen vorgenommen werden müssen.
- Partial return on investment: Neben den Diffusionskosten wird den Kunden auch noch ein Teil der Aktualisierungs- und/oder Erhebungskosten belastet. Dies beruht auf dem Äquivalenzprinzip, nach dem die Kosten öffentlicher Leistungen den Nutzniessern angelastet werden. Vorteile sind: es werden die richtigen Preissignale gesetzt, die Kosten werden gedeckt, die langfristige Finanzierbarkeit der Daten gewährleistet. Hauptnachteil ist die geringere Verbreitung. Diese Preisbildung sollte bei Geodaten angewendet werden, die nicht oder nicht in überwiegendem öffentliche Interesse verwendet werden, für kommerzielle Aufgaben, deutlichen Mehrwert, Ziel der PRI-Strategie ist es deshalb, Einnahmen zu generieren, um die Aktualisierung und die Diffusion langfristig sicherstellen zu können.
- Vollkosten: Den Kunden werden sämtliche Kosten für die Erhebung, Aktualisierung und Diffusion verrechnet.

Nach Aussagen von GIS-Anbietern ist die Anwendung der Low Cost-Strategie, d.h. die Verrechnung der reinen Vertriebskosten, weniger problematisch, so dass eine Low Cost-Strategie einer Public Domain-Strategie vorzuziehen ist.

Zum Begriff:
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Letzte Änderung: 13.08.2002



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