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WebGIS 


Themengebiet: Geo-Informationssysteme
Internetsysteme

Bedeutung:
Die Grundidee eines WebGIS kann in etwa wie folgt skizziert werden. Von einem Webbrowser (Client) wird eine GIS-Anfrage an einen Webserver gestellt. Dieser kann jedoch nur gewisse Teile davon beantworten und gibt daher die Anfrage weiter an einen Map- oder Geodatenserver. In Abhängigkeit von der dort verfügbaren Funktionalität entstehen als Ergebnis auf die Anfrage z.B. Rasterkartenausschnitte im JPEG- oder GIF-Format, die dem Webserver zurückgegeben werden und von dort an den Webbrowser beim Client via http transportiert werden und als Standard-HTML-Dokument dargestellt werden können. Dies ist die unproblematische Seite, die im Wesentlichen die Arbeit dem DB- oder Mapserver überlässt, größere Datenmengen über das Netz transportiert und nahezu keine Interaktionsmöglichkeiten am Client beinhaltet. Jede Funktion, die eine Änderung des Bildinhaltes auslöst, führt zu einer bidirektionalen Kommunikation über das Internet und schlußendlich zu einer neuen Übertragung eines Rasterbildes. Durch die Verwendung von Skriptsprachen wie JavaScript und VBScript können aber auch gewisse Steuermechanismen direkt im Client implementiert werden.
Sollen dagegen Vektordaten an den Webbrowser zurückgeliefert werden, so hat dieser Schwierigkeiten, diese zu visualisieren. Er benötigt hierzu entweder ein Plug-In, welches über das Netz heruntergeladen werden kann und die Darstellungsmöglichkeiten des Browsers erweitert, oder der Map- oder GIS-Datenbankserver sendet gleich ein plattformunabhängiges Java-Applet mit. Dies ist ein kleines Programm, welches sich auf dem Client entfaltet, die Visualisierung und die Manipulation der Vektordaten gestattet und nach Gebrauch verschwindet. Eine weitere Alternative sind aktive Komponenten (z.B. ActiveX aus der Windows-Welt), die ähnliches wie Java-Applets bieten, aber browserabhängig sind. Für Vektordaten werden derzeit DXF, CGM und VRML als Formate unterstützt.
Mit zunehmend gewünschter GIS-Funktionalität beim Client bedarf es weitergehender Ansätze. Diese ermöglicht im Wesentlichen das Common Gateway Interface (CGI). Über CGI-Skripts wird vom Server ein eigenständiges externes Programm gestartet, das in der Lage sein muss, die standardisierte Parameterübergabe auszuwerten und dementsprechend ein Anwendungsprogramm zu starten. Neuere Entwicklungen bestehen in der Bereitstellung einer Programmierschnittstelle (API-Application Programming Interface), die es ermöglicht, im Server Anwendungsfunktionen einzubetten. In der Microsoft-Welt realisieren dagegen die Active Server Packages (ASP).
Eine weitere Option bieten moderne Entwicklungsumgebungen wie ActiveX undJava, mit denen sowohl auf Client- als auch auf Serverseite GIS-Funktionalitäten angeboten werden können. Hierzu muss allerdings die bestehende GIS-Software neugeschrieben werden. Java-Applets sind in Java programmierte und als Bytecode übertragene Softwarekomponenten, die im Webbrowser laufen. Dagegen ist ein ActiveX-Control in der Lage, mit anderen Programmen zu kommunizieren und auch auf lokale Daten zuzugreifen.
Jeder der hier angedeuteten Ansätze besitzt Vor- und Nachteile und hat insbesondere Auswirkungen auf die zu verteilenden Arbeits- und Netzlasten, wobei sich die Übertragungsraten im Internet als Flaschenhals darstellen.
Eine Klassifizierung von GIS-Lösungen im Internet kann geschehen nach dem Interaktionsgrad:
- statisch: Zugriff auf festgelegte Kartenausschnitte, eventuell Vorabauswahl der Ausschnitte, also eigentlich keine GIS-Funktionalität.
- interaktiv: Mapserver mit Interaktionsmöglichkeiten wie Pan, Zoom etc. darüber hinaus Auswahlmöglichkeiten der Darstellung bzw. des Designs, d.h. geringe GIS-Funktionalitäten stehen bereit.
- dynamisch: GIS-Internet-Gateway mit Manipulationsmöglichkeiten der Daten, Client wird Datenanalyse ermöglicht, d.h. bedingte bis gute GIS-Funktionalität liegen vor.
a. Geodatenserver: Datenrecherche und Übermittlung von Geodaten z.B. via ftp (file transfer protocol) zur Offline-Weiterverarbeitung z.B. im Desktop-GIS, Anwendungen im Intranet in Unternehmen, im Geodatenwarenhaus u.v.a.
b. Mapserver: Visualisierung von Karten, statisch bis dynamisch, Anwendungenvom interaktiven Stadtplan bis zu thematischen Karten.
c. Online-Auskunftssystem: Visualisierung von Karten, statisch bis dynamisch, thematische oder raumbezogene Abfragemöglichkeiten für eine Vielzahl von Anwendungen.
d. Online-GIS: Zugang zu GIS-Server, Abruf vorhandener Daten mittels graphischer Benutzeroberfläche bzw. Befehlseingaben, echte GIS-Funktionalitäten.
e. GIS-Funktionsserver: entfernter Zugriff auf GIS-Funktionen, indem z.B. Daten verschickt werden und entfernt prozessiert werden, nicht Visualisierung sondern Analyseergebnisse stehen im Vordergrund

Quellen:
Bill, R. Grundlagen der Geo-Informationssysteme Band 2. Analysen, Anwendungen und Neue Entwicklungen

Zum Begriff:
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Letzte Änderung: 01.07.2001



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